Gestern Abend hat Michel, ein Einwohner von Muespach, in den sozialen Netzwerken ein Video geteilt, das sehr wahrscheinlich einen Luchs zeigt, der in der Nähe seines Gartens gesichtet wurde.
Ohne das Video selbst weiterzuverbreiten, ist diese Beobachtung eine Gelegenheit, etwas Abstand zu nehmen und ganz einfach über Natur und Biodiversität in unserer Region zu sprechen, jenseits der Emotionen oder Sorgen, die sie ausgelöst haben könnte.
Eine große, scheue Wildkatze
Der Eurasische Luchs ist die größte wildlebende Katze Europas. Er lebt meist allein, ist sehr unauffällig und vor allem in der Dämmerung sowie nachts aktiv.
Nachdem er im letzten Jahrhundert in vielen Regionen verschwunden war, breitet er sich im Osten Frankreichs nach und nach wieder aus, ausgehend vom Juramassiv und den Grenzgebieten zur Schweiz. Das erklärt gelegentliche Streifzüge im elsässischen Jura und im Sundgau.
Ein Gebiet mit reicher Biodiversität
Wälder, Hecken, Bäche und Hügel bilden hier ein vielfältiges Mosaik an Lebensräumen, in dem bereits Rehe, Füchse, Dachse, Greifvögel und viele weitere, weniger auffällige Arten vorkommen.
Dass ein Luchs hier durchziehen kann, zeigt, dass diese Landschaften noch ausreichend zusammenhängend und ruhig sind, um einem großen Beutegreifer Lebensraum zu bieten, der besonders sensibel auf die Qualität seines Habitats reagiert.
Warum das ein positives Zeichen ist
Das gelegentliche Auftreten eines Luchses ist vor allem ein positiver Indikator.
Ein Gebiet, das einen großen Wildkater beherbergen kann, bietet in der Regel auch vielen anderen Arten gute Bedingungen. Es ist zudem eine Chance für die Umweltbildung: Über den Luchs zu sprechen heißt, an die Bedeutung unserer Wälder, ökologischer Vernetzungen und der heimischen Wildtiere zu erinnern, weit über dieses symbolträchtige Tier hinaus.
Entscheidungen, die ich in meiner Amtszeit bewusst getragen habe
Diese Beobachtung erinnert auch an konkrete Entscheidungen, die ich während meiner Amtszeit als Bürgermeister gemeinsam mit dem damaligen Gemeinderat für unsere Umwelt mitgetragen und vorangetrieben habe.
Im Jahr 2019 hat der Gemeinderat unter meinem Vorsitz eine bewusste, langfristig ausgerichtete Entscheidung für den Gemeindewald getroffen: die Einrichtung einer Seneszenzfläche (Altholzinsel) in enger Zusammenarbeit mit dem französischen Forstamt (ONF). Grundlage dafür waren unter anderem der hohe ökologische Wert des Bereichs, die schwierige Erschließung für eine Nutzung sowie das Vorkommen geschützter Arten, darunter der Rotmilan.
Eine Seneszenzfläche ist ein Waldabschnitt, der sich ohne Holzeinschlag und ohne Eingriffe frei entwickeln darf. Bäume altern dort natürlich, sterben ab und schaffen wertvolle, seltene Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Solche Maßnahmen sind oft kurzfristig kaum sichtbar, aber entscheidend für die Biodiversität und die Widerstandsfähigkeit des Waldes auf lange Sicht.
Dass heute ein so anspruchsvolles Tier wie der Luchs in unserer Region auftreten kann, zeigt, dass diese bewusst getroffenen Entscheidungen nicht nur symbolisch waren. Sie tragen dazu bei, ein natürliches Gleichgewicht zu erhalten, von dem heutige und künftige Generationen profitieren.
Bewohnerinnen und Bewohner beruhigen
Der Luchs meidet den Menschen und hat in der Regel Angst vor uns. Er gilt nicht als gefährlich für Personen.
Begegnungen aus nächster Nähe sind äußerst selten. In den allermeisten Fällen nimmt der Luchs den Menschen wahr, lange bevor wir ihn sehen, und zieht sich lautlos zurück.
Und was ist mit Haustieren?
Die Nahrung des Luchses besteht hauptsächlich aus wildlebenden Huftieren, insbesondere aus Rehen.
In seltenen Ausnahmefällen kann er jedoch auch ein ungeschütztes Haustier erbeuten, etwa eine Ziege, ein Schaf oder, noch seltener, eine Katze.
Auf Gemeindeebene bleibt dieses Risiko sehr gering, dennoch ist es wichtig, es klar und ohne Dramatisierung anzusprechen.
Eine einfache Botschaft zum Schluss
Einen Luchs im Sundgau zu sehen, auch nur flüchtig, bedeutet, dass unsere Landschaften weiterhin einen bemerkenswerten ökologischen Wert besitzen.
Es ist zugleich eine Erinnerung daran, wie wichtig Entscheidungen sind, die mit Ernsthaftigkeit, gesundem Menschenverstand und einem Blick für das langfristige Gleichgewicht getroffen werden. Diese natürliche Vielfalt zu bewahren, darüber verständlich zu sprechen und verantwortungsvoll damit umzugehen, gehört zu der tiefen Verbundenheit, die wir mit unserem Dorf und seiner Zukunft verbinden.
Philippe Huber
Kandidat in Muespach – Kommunalwahlen 2026






